Betriebliche Altersvorsorge – tatsächlich ein Vorteil für Arbeitnehmer?

Politik, Gewerkschaften und Versicherungsunternehmen überschlagen sich vor Euphorie. Das Betriebsrentenstrukturgesetz und die ab 2018 neu gestaltete betriebliche Altersvorsorge soll einen erheblichen Beitrag gegen die Altersarmut leisten. Der steuerlichen Förderung, Zulagen und Sozialversicherungsersparnis sei Dank. Wer 200 € fürs Alter spart, merkt nach Abzug der Subventionen nur ca. 100 €. Die Versicherungsvertreter der Republik freuen sich: Doppelter Beitrag = doppelte Provision. So macht das Verkaufen Spaß!

Aber aufgepasst: Der Staat hat nichts zu verschenken. Er holt sich seinen Anteil am Kuchen nur später, also wenn die Rente ausbezahlt wird. Bei diesem Aspekt jedoch sind die Versicherungsverkäufer erstaunlich einsilbig – wir nicht!

Was bedeutet das denn nun konkret?

Ein Beispiel: Felix Fleissig ist Arbeitnehmer und 30 Jahre alt. Sein Bekannter und Lieblingsversicherungsvertreter aus dem Fußballverein empfiehlt ihm den Abschluss einer betrieblichen Altersvorsorge (bAV), dafür wandelt er ab dem 01.02.2019 monatlich 200 € von seinem Gehalt um und zahlt das Geld über den Arbeitgeber an die Versicherung. Mit 67, also ab dem 01.02.2056, bekommt er monatlich garantiert 235 € lebenslang. Wenn es gut läuft sind sogar 417 € möglich. Das Problem: Es handelt sich hierbei um Bruttorenten. Und den brutalen Unterschied zwischen „brutto“ und „netto“ lernt Felix erst mit 67 zum Rentenbeginn kennen, wenn die Rente ausbezahlt wird. Oder er passt jetzt einmal ganz genau auf:

Nach Abzug von Steuern (Annahme 25 %) und Kranken-/Pflegeversicherung (18,75 %) bleiben von den 417 € noch 153 € übrig. Bei einer unterstellten Inflation von 1,5 % entsprechen die 417 € im Jahr 2056 einer realen Kaufkraft von heute 88 €.

Sofern Felix Fleißig sich 2056 für die einmalige Kapitalauszahlung in Höhe von ca. 157.031 € entscheidet, werden ihm ebenfalls die vollen Beiträge zur Kranken-/Pflegeversicherung (29.443 €) und die volle Steuer (70.664 €) von der Auszahlungssumme abgezogen. Von 157.031 € stehen dann nur noch 56.924 € tatsächlich zur Verfügung.

Bis zum 67. Lebensjahr werden 88.800 € eingezahlt! Ist das ein gutes Geschäft für Felix?

Bei der obigen Berechnung haben wir wohlwollend angenommen, dass die Rente inklusive nicht garantierter Überschussbeteiligung von 417 € ausbezahlt wird. Um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu giessen, verzichten wir auf eine Berechnung mit der Annahme, dass höchstwahrscheinlich lediglich die garantierte Rente von 235 € zum Tragen kommt.

Übrigens: Durch die Gehaltsumwandlung von 200 € monatlich zahlen Felix und sein Arbeitgeber weniger Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung ein. Was bedeutet das für Felix? Er erhält später einmal monatlich ca. 81 € weniger Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Lebenslang! Zudem wird sein gesetzlicher Anspruch auf Krankengeld ab der 7. Woche und der Anspruch auf Arbeitslosengeld dauerhaft reduziert.

Fazit: Seien Sie besonders aufmerksam, wenn Ihnen Staat, Gewerkschaften oder Versicherungen etwas Gutes tun wollen!

Hier finden Sie einen Überblick, wie sich staatliche Förderungen auf Vorsorgeverträge auswirken: Jetzt ansehen

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